If we ruled the world – 15 Jahre Hajusom

Anlässlich seines 15. Geburtstags richtete Hajusom ein politisches Festival zum Thema Migration-Flucht-Utopie aus. Wie sähe die Welt aus, wenn Menschen, die aus ihrem Heimatland fliehen müssen, regierten?

If we ruled the world - 15 Jahre Hajusom

Insgesamt haben an den drei Festivaltagen in den verschiedenen Formaten 53 Darstellerinnen und Darsteller im Alter zwischen 15 und 50 Jahren mitgewirkt.

Während der drei Festivaltage konnte das Publikum in der Halle k4 die Rauminstallation Addis Abeba-Kabul-Hamburg: Hajusom takes over! besuchen, deren Inhalt das Ergebnis eines Rechercheprojekts darstellte. In sechswöchiger Arbeit schuf der Hamburger Künstler Markus Lohmann in Zusammenarbeit mit Esther Brandt eine begehbare Rauminstallation im Stil eines Behördenbüros der neunziger Jahre, welches im Verlauf des Festival-Wochenendes von den jungen Performern okkupiert und bespielt wurde.

Eine Gala-Performance mit 35 Darstellerinnen und Darstellern gab den Blick auf den komplexen Kosmos von Hajusom frei: ehemalige, aktuelle und Nachwuchs-PerformerInnen präsentierten die künstlerische Arbeit aus 15 Jahren: Videobilder von der ersten Premiere im Jahr 2000, Szenen und Choreografien anderer vergangener und aktueller Produktionen wurden zu einer Gesamt-Montage des Projekts zusammengefügt und ergaben bewegte Bilder kraftvoller Vielfalt. Neu entwickelte, scharfe Statements zur Migrationspolitik und visionäre Bilder einer gerechten Welt traten hinzu. Im Laufe der Performance wurde jedeR einzelne PerformerIn immer wieder mit individuell gestalteten Medaillen ausgezeichnet, regnete es Silber-Konfetti aus dem Bühnenhimmel, schimmerten die silber beschichteten Show-Treppen glamourös, um den geehrten PerfomerInnen den geeigneten Rahmen zu liefern, in dem sie ihre Kunst zeigen und sich feiern lassen konnten.
Hajusoms Nachwuchsköche der Gruppe Kabili Masala bereiteten während der Performance im Bühnenhintergrund ein großes Essen vor. An deren Ende bauten die DarstellerInnen die Elemente der Show-Treppe, auf denen sie zuvor getanzt hatten, in einem Aufbauballett zu Tischen und Sitzgelegenheiten um: Die Show transformierte zum Dinner for All. Das gesamte Publikum wurde auf die Bühne gebeten und von den Performern mit einem dreigängigen Menü bewirtet. Von einer kleinen Seitenbühne gab es als Auflockerung musikalische und textliche Beiträge von Ehemaligen und jungen Performern der Neueinsteiger-Gruppen. Es entstand ein großes, bewegendes Bild von einer Welt des solidarischen Miteinanders aller Menschen, in der alle satt werden.
Die Gala-Show wurde zum Abschluss wiederholt, bevor man aus der Kampnagelhalle gemeinsam an das Kanalufer zog, um mit Böllern & Botschaft das Festival zu beenden.

Statements aus dem Ensemble:

Elmira: Die Gala, ich dachte die ganze Zeit es wird nix. Aber es war voll gut, richtig Energie, die Bühne! Wir haben es geschafft. Wir dachten wir stehen nach Amelies Rede auf und sagen jetzt reicht's. Ich dachte wir gehen jetzt auf die Bühne und zeigen, was Flüchtlinge machen. Sie hat 15 Mal das Wort Flüchtling benutzt in den ersten 2 Minuten. Hör auf mit Flüchtlinge, Flüchtlinge, Flüchtlinge. Wir wollen nicht so bezeichnet werden. Immer machen Migranten Migrantenprojekte. Und Behinderte immer Behindertenprojekte. Hajusom sagt doch: Migration ist ein Normalfall.

Jamshid: Hajusom ist das allerbeste. Die Welt-Nummer-1-Gruppe. Nie langweilig. Jeder gibt das Beste. Bollyland war so schön, so gut, ehrlich. Gala - alle haben gesagt, das war gut. Mein Betreuer sagt: Du bist jetzt ein Anderer. Das war gut. Und ich habe gesungen! Ich danke euch allen.

Arman: Mir fehlen die Worte. Das war zu geil, was wir geliefert haben. Nicht nur wir haben die Welt geruled, die Leute haben mitgeruled. Kompakte Welt. Alles funktioniert irgendwie. Alles hat gestrahlt nach vorne. Es war eine Welt für sich. Ich kam mir vor wie irgendwo in der Sahara, wo wir alle auf dem Boden saßen bei dem Dinner, das habe ich noch nie gesehen. Das war fantastisch. Das haben wir gemacht.

Ausführliche Informationen unter hajusom.de/150-Jahre-Hajusom-since-1999.174.0.html

Der Text wurde von den ProjektmacherInnen verfasst.

Galerie

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Antragsteller
Hajusom e.V.

Beteiligte
E. Huck, D. Reinicke/Künstlerische Leitung • M. Böhler, M. Lohmann, J. Plate/Ausstattung • T. Ahmed, G. Depri, F. Lampert, V. Takur/Choreografie • A. Meyn/Assistenz • J. z. Lippe/Projektkoordination • L. Connert/Produktionsleitung • E. Dettlof, A. Warning/Praktikantinnen • M. Menneking/Video-Dokumentation • A. Thaysen, A. Morascher/Grafik & Foto • Performer von Hajusom • ehemalige Ensemble-Mitglieder • Teilnehmer der Nachwuchsgruppen  • Mädchen der Nähkunstgruppe Le Sir mit der Regisseurin M. Preach

Kooperationen
Kampnagel, Hamburg • Versch. Hamburger Flüchtlingsinitiativen • RechstanwältInnen Gemeinschaft Steindamm • Haveno (muttersprachliche Therapie-Einrichtung/Gesundheitszentrum St. Pauli) • Theater im Pumpenhaus, Münster • gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e.V. Münster

Zeitraum
Februar bis Dezember 2014

Ort
Kampnagel Hamburg

Sparten
Bildende Kunst • Film • Musik • Tanz • Theater • Experten-Konferenz

Fördervolumen
beantragte/bewilligte Förderung aus dem Elbkulturfonds: 64.610 Euro/64.000 Euro

Weitere Infos und Pressemeldungen
hajusom.de/Videos.28.0.html