Inverted Space - Ein umgekehrter Raum

Künstler aus Benin zeigt die Resultate seiner Recherchen in Hamburg auf dem Altonaer Balkon in einem Glaskubus.

Inverted Space - Ein umgekehrter Raum

Bisher dauerten Georges Adéagbos Interventionen im öffentlichen Raum nur einen Tag, zum Beispiel sein Beitrag zur Biennale von Harald Szeemann 1999 auf dem Campo Arsenale in Venedig oder seine fünf Installationen für Hamburg im September 2014. Nun zeigt er zum ersten Mal für mehrere Monate eine Installation im Freien.

Inverted Space war der Kurztitel für Adéagbos Umkehrung der konventionellen Beziehung des Betrachters zum Ausstellungsraum. Normalerweise sehen Besucher seine Installationen, indem sie einen Saal in einem Museum oder in einer Galerie betreten, also in einer geschützten Umgebung mit reguliertem Zugang. Für Inverted Space stülpte Adéagbo den Raum um: Seine Wände formten einen weißen Block, auf welchem er die Elemente seiner Arbeit platzierte. Danach ließ er einen Glaskubus über diese Installation stellen und positionierte sie jedem jederzeit zugänglich im öffentlichen Raum. So vollzog Adéagbo eine Umkehrung der sowohl räumlichen, zeitlichen als auch kunst-politischen Verortung seiner Arbeit.

Die Hälfte der Elemente, die Adéagbo verwendet, findet er in den Straßen der Stadt, in welcher er zu einem Projekt eingeladen ist. Gewöhnlich finden seine rhizomatischen Netzwerke von Objekten und handgeschriebenen Texten ihren festen Platz in Museumssammlungen. Mit der neuen Arbeitsweise in Hamburg brachte er die gefundenen Objekte an ihren Ursprung zurück: den öffentlichen Raum. Aber er musealisierte sie durch den Glassturz, welcher sie unberührbar und kostbar machte. Gleichzeitig symbolisierte die hermetisch geschlossene Struktur eine Gesellschaft, welche konstant Menschen einbezieht oder ausschließt.

Vom Altonaer Balkon aus sieht man den Hafen und die Elbe, die Hamburg mit der Nordsee und den Ozeanen der Erde verbindet. Ein passender Ort für Adéagbos Arbeit: Seine Sammlungen von Dingen aus West-Afrika und aus Hamburg und anderen Orten Europas waren genauso ein Feld des kulturellen Transfers und der „Mobilisierung der Dinge“ (der Titel von K. Schankweilers Buch über Adéagbo 2012) wie der Hamburger Hafen, wo Güter kommen und gehen und sich verschiedene Kulturen begegnen. Zudem spielte dieser Hafen eine zentrale Rolle in der Kolonisierung Afrikas, worüber Adéagbo in seiner Arbeit spricht.
Der Besucher von Inverted Space sah Objekte, die ihm so vertraut wie fremd waren. Die Auswahl Adéagbos und die Augen der Schildermaler in Benin, denen er Motive aus Hamburg als Vorlagen gab, verschoben die Perspektiven: Adéagbo markierte und vertauschte die hierarchisch verteilten Rollen der Entdecker und Entdeckten.

Adéagbos Interpretation des “Westens”, in diesem Fall Aspekte von Hamburgs Kultur und Geschichte, forderten den Besucher heraus, darüber nachzudenken, wie er selbst mit kultureller Differenz und dem sogenannten “Anderen” umgeht und was er von einem “afrikanischen” Künstler erwartet. So wurde diese Installation zu einem Spiegel auf mehreren Ebenen: Man konnte sowohl eigene Einstellungen als auch das eigene Gesicht, das sich in dem Glas, das Adéagbos Installation schützte, reflektiert sehen.

Das Projekt wurde von Sophie Goltz (künstlerische Leitung Projekt Stadtkuratorin Hamburg) und Stephan Köhler (freier Kurator und Gründer von Kulturforum Süd-Nord e.V.) kuratiert. Inverted Space wurde von Stephan Köhler und Georges Adéagbo konzipiert.

Der Hamburger Architekt Dipl. Ing. Peer Günther setzte das künstlerische Konzept in den ersten Glas-Kubus Prototypen für eine Adéagbo- Installation um und betreute alle Phasen des Baus.

Ausführliche Informationen unter stadtkuratorin-hamburg.de/curating/inverted-space

Der Text wurde von den ProjektmacherInnen verfasst.

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Antragsteller
Kulturforum Süd-Nord e.V. (für Georges Adéagbo)

Beteiligte
Georges Adéagbo

Kooperationen
Stadtkuratorin, Sophie Goltz • Kulturforum Süd-Nord e.V., Stephan Köhler

Zeitraum
Organisation und Recherche April bis Juni 2013 • Projektumsetzung Sommer 2015

Ort
Altonaer Balkon, Hamburg-Altona

Sparten
Bildende Kunst

Fördervolumen
beantragte/bewilligte Förderung aus dem Elbkulturfonds: 88.000 Euro/88.000 Euro

Weitere Infos und Pressemeldungen
kulturforumsuednord.orgstadtkuratorin-hamburg.de

Kontakt
info@kulturforumsuednord.orgpresse@stadtkuratorin-hamburg.de