Eunus (UA) - يونس

„Ich habe einen Wunsch – Geschichten zu erzählen, in denen es um die Wahrheit geht.“ (Rashid Hallak, Hakawati/Geschichtenerzähler)

Eunus (UA) - يونس

Vor dem Krieg erzählten Geschichtenerzähler in den Cafés von Damaskus Abend für Abend von den legendären Heldentaten Antaras. Der Mythos lebt in Erzählungen, Fernsehserien, Filmen und Comics, auf Bildern in Galerien, Museen und an Häuserwänden.
Der syrische Dichter Nizar Qabbani polemisiert in einem Gedicht: „Dieses Land gehört Antara / Seine Luft, sein Wind und seine Frauen / Sein grünes Gras / Alle Fenster zeigen Antaras Bilder / Alle öffentlichen Plätze tragen Antaras Namen / Antara lebt in unseren Kleidern / In einem Laib Brot / In einer Cola-Flasche / Und in unseren sterbenden Träumen.“

Der syrische Komponist Rami Chahin setzt sich in seinen Arbeiten mit dieser arabischen Erzähltradition zwischen politischer Parabel, Poesie und Zensur auseinander und fragt nach der Bedeutung kultureller Überlieferung für die Gegenwart. In seinen Kompositionen begegnen sich zeitgenössische, experimentelle und traditionelle arabische Musik. Er verknüpft mythische Stoffe, die von Herrschaft, Unterdrückung und Widerstand erzählen, mit der selbst erlebten Situation eines Landes zwischen Revolution und Bürgerkrieg in einer von Sprachlosigkeit geprägten Zeit.

Inszeniert wird die Uraufführung von der Regisseurin Jana Beckmann, gemeinsam mit Darstellern und Aktivist*innen aus Syrien, der argentinischen Tänzerin Florencia Demestri, der Sängerin Lisa Schmalz sowie einem musikalischen Ensemble unter der Leitung von Daniel Moreira. 
Eunus يونس ist die Suche nach einer kulturübergreifenden Sprache des Widerstands jenseits von Orientalismus-Klischees und multikulturellen Vereinfachungen.

Begleitend zur Aufführung findet am 26. September 2015 ein ganztägiges Symposium mit Vorträgen, Performance, Ausstellung und Lesung mit Experten aus Kunst, Wissenschaft und Politik zum Thema statt.

Gäste sind u.a. Daniel Gerlach (Orientalist, Chefredakteur des Magazins zenith), Huda Zein (Soziologin, Universität zu Köln), André Bank (Nah-Ostexperte, GIGA Institut Hamburg), Salah Zater (Silent University), Elias Perabo (Adopt a Revolution), Rosa Yassin Hassan (Autorin).

Kuration und Organisation: Jana Beckmann und  Michael Isenberg

Ausführliche Informationen unter eunusmusiktheater.tumblr.com und eunusmusiktheater.tumblr.com/symposium

Der Text wurde von den ProjektmacherInnen verfasst.

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Antragsteller
J. Beckmann • R. Chahin • M. Isenberg/Freiberufliche Künstler

Beteiligte
Rami Chahin/Komposition • Daniel Moreira/Musikalische Leitung • Jana Beckmann/Regie • Lea Kissing/Bühne & Ausstattung • Dennis Peschke/ Kostüm•Clara Pons/Video•Lars Rubarth/Licht • Michael Isenberg/Dramaturgie • Julia Warnemünde/Produktionsleitung • Martin Mutschler/Regieassistenz

Mit: Wissam Alkhalil, Iyad Alkhalil, Aicha Alsaleh, Florencia Demestri (Tanz), Ziad Khawam, Lisa Schmalz (Gesang), Khaled Shehada

Kooperationen
Ensemble Resonanz

Zeitraum
Herbst 2015

Ort
Resonanzraum, Bunker Feldstraße

Sparten
Bildende Kunst • Musik • Tanz • Theater

Fördervolumen
beantragte/bewilligte Förderung aus dem Elbkulturfonds: 57.914 Euro/57.914 Euro