XO´DO-ALLOKAN-NÙ: Das Wort am Ende des Hörers


Callshop

XO´DO-ALLOKAN-NÙ: Das Wort am Ende des Hörers greift die Praxis des Erzählens auf. Im Gegensatz zum Gastspiel tritt nicht eine externe Theaterform in die Mitte eines ansässigen Publikums, sondern Publika an zwei Orten erleben gemeinsam-getrennt eine dritte Form.

Die auditive Performance verbindet ErzählerInnen und Publikum in Cotonou und Hamburg anhand einer Telefonleitung. Die in beiden Städten eingerichteten Räume funktionieren technisch wie Call Shops. Beide Standpunkte sind auf Laufpublikum ausgerichtet, das zu jeder Tageszeit die Möglichkeit hat, die Verbindung zu nutzen.

Oral Literature ist Ausgangspunkt für eine rein sprachliche Konfrontation, das in medialen Übertragungen und im privaten Urteilen überpräsente Visuelle fällt weg.SprecherInnen auf beiden Seiten präsentieren ein erprobtes aber offenes Hörstück. Das Publikum erlebt einen Multilog auf Fongbe, Französisch, Deutsch – interpretiert von an- und abwesenden SprecherInnen und ÜbersetzerInnen. Die Unsicherheit des Nichtverstehens charakterisiert die Begegnung, die sich für jeden anders darstellen wird. Manches bleibt dabei den Interpretationen der Einzelnen überlassen.

Mit der Performance treffen sich zwei Städte, die durchaus in einem historischen Spannungsverhältnis stehen, deren Beziehungen zueinander nach wie vor nicht auf einer gleichberechtigten Ebene funktionieren und reflektiert werden. Diese Machtverhältnisse spiegeln sich auch in der Entwicklung der Erzähltraditionen wieder. Die heutige Dominanz der Schriftlichkeit über das Orale ist eine Auswirkung kolonialer Unterdrückung. Das Projekt arbeitet gegen diesen Blick. Die contes werden in Bénin als lebendige, kritische Werkzeuge genutzt. Im direkten Austausch möchten KünstlerInnen in Cotonou und Hamburg das offene Prinzip des Erzählens beleben.

POOL greift die künstlerischen Bedingungen geografischer Verortung auf, die Entfernung der Agierenden ist Anlass einer Begegnung.

Mit der Organisation virtuellen Austausches nicht-etablierter KünstlerInnen ohne institutionelle Instanz forciert POOL eine Dezentralisierung der internationalen Szene. Wichtig sind dabei die Auseinandersetzung mit individuell und kulturell verschiedenen Herangehensweisen, Distanz, Digitalität als Schnittstelle und die Präsenz des Abwesenden. Die persönlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Impulse, die das Kunstmachen und Theatermachen bedingen, sollen erfahrbar bleiben.

Von Oktober-Dezember 2015 bespielte POOL einen temporären Ausstellungsraum in der Langen Reihe mit 11 Kooperationen junger KünstlerInnen aus dem außereuropäischen Ausland und Hamburg. Für XO´DO-ALLOKAN-NÙ: Das Wort am Ende des Hörers verbindet sich POOL mit ErzählerInnen, KünstlerInnen, PerformerInnen, MusikerInnen, ÜbersetzerInnen in Cotonou (Bénin) und Hamburg.

Der Text wurde von den Projektmachern verfasst.

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Antragsteller

POOL • Doris Margarete Schmidt, Eylien König, Martina Mahlknecht, Lisa Sperling

Sparten

Künstlerische Rauminstallation • Theater-Performance

Fördervolumen

beantragte/bewilligte Förderung aus dem Elbkulturfonds: 75.152 Euro/50.000 Euro

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