Wahnsinn aus Heimweh – Die Geschichte der „geisteskranken“ Rückwanderer in Hamburg


Wahnsinn aus Heimweh

Im Archiv des Universitätsklinikums Hamburg lagern die Akten der sogenannten „geisteskranken Rückwanderer“, die in den Jahren 1900 bis 1914 in die Hamburger Irrenanstalt Friedrichsberg eingeliefert wurden. Die Auswanderer hatten sich damals aus allen Teilen Europas aufgemacht, um in den Vereinigten Staaten ihr Glück zu finden – die Friedrichsberger Rückwanderer allerdings scheiterten.

Über Hamburg nach Amerika ausgewandert und an der Grenze von US-Behörden als psychisch krank eingestuft, erwiesen sich diese psychischen Krankheiten der Auswanderer oft als temporär und verursacht durch die immensen Strapazen einer solchen Auswanderung. Die Friedrichsberger Anstalt wurde für die Abgewiesenen Ort der Desillusionierung, im Gegensatz zur euphorischen Aufbruchsstimmung in den Auswandererhallen der Ballinstadt. Hamburg war für sie Transitort, allerdings nicht als Tor ZUR Welt, sondern auf dem Weg zurück. 

Die Rückwanderer, die Überseereise, die Anstalt in Friedrichsberg und die teils skurrilen Ereignisse vor Ort, verknüpft auch mit dem damaligen Anstaltsleiter Wilhelm Weygandt, für den die Rückwanderer eine „beschwerliche Beigabe“ zum Anstaltsalltag waren, werden zum Thema des Projektes „Wahnsinn aus Heimweh“.

Die recht unbekannte Geschichte der unfreiwilligen Rückwanderer wurde bisher vor allem von wissenschaftlicher Seite ausgewertet. In Kooperation mit dem Medizinhistorischen Museum am UKE und den Forschern des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin entstehen im Rahmen des Projekts „Wahnsinn aus Heimweh“ künstlerische Zugänge zu diesem Komplex der Hamburger Stadtgeschichte.

Das Thema wird in dokumentarisch-fiktionaler Weise auf Grundlage von den Akten der RückwandererInnen und zeitgeschichtlichen Dokumenten bearbeitet. Kunst, Geschichte und Wissenschaft arbeiten Hand in Hand: Gemeinsam mit zahlreichen KünstlerInnen entstehen verschiedene Formate, die den wissenschaftlich-historischen Zugang erweitern und einem Publikum zugänglich machen. So sollen u.a. eine Erzählung in Buchform, eine installativ-theatrale Umsetzung im Medizinhistorischen Museum, audioinstallative und musikalische Komponenten entstehen.

Der Text wurde von den Projektmachern verfasst.

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Antragsteller

Anne Rietschel

Sparten

Literatur • Theater/Performance • Audioinstallation • Doku-Fiktion

Fördervolumen

beantragte/bewilligte Förderung aus dem Elbkulturfonds: 55.944 Euro/50.000 Euro

Weitere Informationen folgen.