Die Stillgestellten, oder: Salle des Pas Perdus (Arbeitstitel)

Das Meer als Transitraum zwischen Leben und Tod

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Salle des Pas Perdus

Früher begrenzte das Meer das Land wie das Reich der Toten die Welt der Lebenden. Die industrialisierte Seefahrt und die Technisierung der Medizin haben diese Trennungen aufgelöst. Das Meer wurde verlandet, das Leben dank moderner Apparatemedizin in den Tod hinein verlängert. Wo zuvor eine Grenze war, ist heute eine Passage. Hier tauchen Figuren auf – maritime Wiedergänger, die von der anderen Seite berichten, Water Babies, die vom Meeresgrund auftauchen, Staatenlose, die Landesgrenzen und Territorien unterlaufen. Es ist 2017: Die Festung Europa stellt weitere Zäune auf. Die Toten sind schon da.

In den theatralen Schauräumen der Mobilen Akademie begegnen sich Wissenschaft und Alltagswissen, Expertise und Experiment. Seit 2010 betreibt ein Ensemble von Wissenschaftlern, (Fake-)Experten, Beratern und Gespenstern Verwandtschaftsforschung zwischen Lebenden und Toten. „Salle des Pas Perdus“ ist ein Lunapark wissenschaftlicher Spekulationen zu Logistik, Bathymetrie (Wissenschaft von der Vermessung der Ozeangründe) und Thanatologie (Wissenschaft vom Tod, vom Sterben und von der Bestattung). In einer mechanisierten Arena verteidigen Wissenschaftler*innen ihre Forschungen zum Milieu der Toten und werben für eine Ethik des Nicht-Wissens, Experten der Festlandsockelkommission und Vertreter der expandierenden Nationalstaaten verhandeln mit den Nachkommen mythischer Wesen des Black Atlantic über die Vermessung und Verteilung des Meeresbodens. Zuschauer*innen haben die Chance, sich zu Leichendarsteller*innen für eine Mini-TV-Serie ausbilden zu lassen. Willkommen im Wartesaal der verlorenen Schritte!

Toten? Wie verändern die Toten im Meer und an unseren Stränden diese Fragestellungen?

Das Projekt findet im Rahmen von Theater der Welt 2017 auf Kampnagel statt.

Der Text wurde von den Projektmachern verfasst.

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Antragsteller

Mobile Akademie Berlin • Hannah Hurtzig

Sparten

Theater • Performance • Konferenz • Lehrfilm • Bildende Kunst • Natur- und Geisteswissenschaften

Fördervolumen

beantragte/bewilligte Förderung aus dem Elbkulturfonds: 80.000 Euro/72.000 Euro

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