PMS-Lounge


PMS-Lounge

Wir betreten: Eine Bar, wo jedes eingeschenkte Glas halbleer ist.  Wo die Tresenkraft Dich ignoriert, bis die Stimmung noch ein paar Grad gesunken ist. Und die Toilette ist auch ständig besetzt.

Das Höher, Weiter, Schneller, Mehr stürzt in einen zähen, klebrigen Sumpf aus Hormonen und Unzufriedenheit. Falls unerwartet gute Laune aufkommen sollte - hier in der PMS-Lounge wandelt sie sich automatisch in Hysterie. Was eklig ist, wird schön? Exkremente werden zu Gold? Gezerrte Nerven werden zu zarten Banden des Verstehens und der Harmonie? Pffff.

 

Es gibt eine Parallele zwischen PMS und Sexismus. Sexismus ist heutzutage meist schwerer auszumachen als noch vor ein paar Jahrzehnten: er ist unterschwelliger, oft nicht so gemeint und kommt übrigens nicht nur von Seiten der Männer. Die Unsicherheit, ob man grade überreagiert, ist eine typische Reaktion. Ganz ähnlich wie beim PMS: bekomme ich nur meine Periode, und deswegen habe ich dieses hartnäckige Ungerechtigkeitsgefühl?

Es gibt ebenfalls eine Parallele zwischen PMS und Feminismus. Es liegt eine Verwandtschaft in den Reaktionen, die sie auf sich ziehen. PMS und die darauf folgende Menstruation ist nicht hübsch, nicht rein, mit PMS ist niemand mehr brav und lieb und duldsam. Es ist die Seite von Frauen, die meist nicht gern gesehen wird. Wenn sie doch auftaucht, ist es peinlich für alle Beteiligten - Spott und Respektlosigkeit sind häufig.

 

Die PMS-Lounge ist ein Ort, an dem die Dünnhäutigkeit zu einer Tugend wird. Hier wird bewusst, dass die Übermacht des Lächelns und der Gelassenheit nicht gut sein kann. Alles, was einem jetzt ungerecht vorkommt, IST auch ungerecht. Den Rest des Monats herrscht lediglich die Verdrängung.

In der PMS-Lounge ist willkommen, wer sich mit der Idee einer zyklischen Pause von der konstruktiven Heiterkeit identifizieren kann. Happy Hour für Bloody Mary, Eierstocklikör, Pflaumenbrand!

 

Die PMS-Lounge erforscht, wo die Grenzen liegen zwischen Ekel und Skepsis, zwischen spannendem Nicht-Verstehen-Können und nervigem Esoterik-Klimbim, zwischen Körperverbundenheit und Biologismus. Was nervt an sogenannten „Frauenthemen“ und warum? Was sind unnötige Klischees, denen fortan keine Bedeutung mehr zukommen soll? Was wird andererseits schon im eigenen Körper missachtet? Welche Geschlechterbilder der kommenden Generation sind für uns schon nicht mehr nachvollziehbar? Diesen Fragen stellt sich das Team der PMS-Lounge und entwickelt Inhalte und Form gemeinsam im Probenprozess.

 

Die PMS-Lounge ist ein mehrmonatiges Projekt, das jeweils zu Vollmond kulminiert zu einem hysterischen Come-Together im Turmzimmer des Uebel und Gefährlich (Herbst 2017). Eine Soap-artige Handlung spannt sich über die Probenzeit und die zyklischen PMS-Lounges im Turmzimmer. Das alles wird parallel begleitet von PMS-TV, das die Inhalte, Kontroversen und Befindlichkeiten öffentlich macht und noch weiter in die Welt hinaus tragen soll.

Der Text wurde von den Projektmachern verfasst.

_____________________________________

Antragstellerin
Charlotte Pfeifer

Sparten
Performance • Theater • Kunstinstallation • Video

Fördervolumen
beantragte/bewilligte Förderung aus dem Elbkulturfonds: 62.000 Euro/56.000 Euro

Weitere Informationen folgen.