THE GREAT REPORT


THE GREAT REPORT

Eine choreographisch-logistische Konstellation als Performance, Publikation und Ausstellung

 

Wussten Sie, dass sich Logistik-Unternehmen in Strategiepapieren und in der Werbung heute zuweilen selbst als Choreograph*innen imaginieren?

Während Logistik früher die militärische Nachschub-Versorgung bezeichnete, meint der Begriff mittlerweile das allumfassende Management von Flüssen von Kapital, Arbeitskraft, Waren und Information. Kulturtheoretiker*innen sprechen von einem 'Logistical Turn' des Kapitalismus. Die Verbindung von Logistik und Choreographie soll dabei einerseits die Komplexität und Ausdehnung der zu koordinierenden Prozesse hervorheben, und kreiert andererseits das Bild einer hoch virtuosen, weil scheinbar reibungs- und geräuschlosen Koordination von unendlich vielen Bewegungsabläufen. Damit wird choreographisches Wissen über die Steuerung von Dingen und Menschen zum zentralen Motor globalen Handels.

Hier setzen wir ein: Basierend auf einer Romanvorlage von Tom McCarthy, in der ein Anthropologe bei einer Unternehmungsberatung angestellt ist, und dort den Auftrag bekommt, den sogenannten Great Report, eine unmögliche, allumfassende Studie über das Zeitgenössische zu verfassen, legen wir verschieden Forschungsdossiers an. Wir dokumentieren die Gebrauchtwarenlogistik im Hamburger Hafen, besuchen die Amazon Verteilerzentrum in Winsen und auf der Veddel, untersuchen alte Tankeranlagen und Hafeninfrastrukturen auf Kreta, und erforschen, wie an der libanesischen Küste teures Land durch Müllaufschüttungen gewonnen wird. In einer tänzerischen und szenographischen Recherche suchen wir zugleich nach Körperzuständen und Bewegungsqualitäten, die einen von Algorithmen gesteuert Körper bestimmen.

Als internationales künstlerisches Team nehmen wir globale Transportzusammenhänge unter die Lupe und zeichnen ihre körperlichen und ökologischen Effekte nach. Dabei sind unsere leitenden Fragen: Wieso eigentlich bezeichnen sich Logistik-Unternehmen als Choreographen? Welche Imagination und welche Praktiken des Choreographischen werden dadurch aufgerufen? Was erleben und spüren Menschen, die ferngesteuerte Ausführende einer algorithmischen Bewegungsordnung sind? Und was bleibt am Ende von Wertschöpfungsketten übrig?

Aus dem gesammelten Recherchematerial, das von den beteiligten Künstler*innen in verschiedenen Medien aufgezeichnet wird, von Foto und Video bis Tanz, entsteht dann eine performative Installation auf Kampnagel, Hamburg und eine Publikation im TEXTEM Verlag. In einem weiteren Schritt soll der Great Report auch als Ausstellung zugänglich gemacht werden

Projektbeteiligte sind u.a.: knowbotiq, Vladimir Miller, Maria F. Scaroni, Heike Bröckerhoff, Robin Hinsch, Dr. Paula Hildebrandt, Nour Sokhon, Katharina Pelosi und weitere.

Der Text wurde vom Projektantragsteller zur Verfügung gestellt:

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Antragsteller 

Moritz Frischkorn

Sparten

Tanz • Choreographie

Fördervolumen

beantragte/bewilligte Förderung aus dem Elbkulturfonds: 66.000 Euro / 66.000 Euro

Weitere Informationen:

www.moritzfrischkorn.de