Die Cum-Ex Papers – Recherche zum entfesselten Finanzwesen

Die Cum-Ex Papers erproben eine neue Form der Autorenschaft für das Theater

Die Cum-Ex Papers – Recherche zum entfesselten Finanzwesen


Die Cum-Ex-Geschäfte sind, wie auch die Panama und die Paradise Papers, Beispiele für Steuer- und Wirtschaftsskandale der jüngeren Vergangenheit. Investoren und Banken bereichern sich auf Kosten des Sozialwesens und Geld akkumuliert bei denen, die schon viel haben. Die Steuertricks scheinen dabei keine Einzelfälle zu sein, sondern sind entschlüsselte Symptome eines kranken Systems.

Die Aufklärung über die Machenschaften ist dank einiger investigativer Journalisten recht weit gediehen, jedoch versandet die rechtliche Verfolgung der internationalen Profiteure spätestens an den nationalen Grenzen. Neben der rechtlichen Aufarbeitung liegt auch das inhaltliche Verständnis dieser globalen Parallelgesellschaft brach. Wieso sind immer neue Modelle des Betrugs zu finden und warum liegt die Strafverfolgung in ihren Mitteln so weit hinter den Möglichkeiten der Investoren zurück?

Zwei Journalistinnen, Alexandra Rojkov und Franziska Bulban, werden im Auftrag der Produktion recherchieren, um das Verstehen dieses Systems, das beinahe staatlich geduldet erscheint, zu fördern. Sie suchen weniger nach der investigativen Sensation, als dass sie fragen, mit welchen inneren und äußeren Rechtfertigungen Steuergelder in Milliardenhöhe hinterzogen werden können. Ziel ist es, neue Perspektiven auf ein gesellschaftliches Phänomen zu gewinnen, welches einer ganz eigenen Narration zu folgen scheint. Ist das entfesselte Finanzwesen das Resultat eines postmodernen Hyperindivualismus, der sein „Anything goes“ auf alle Lebensbereiche ausweitet und damit jede Verantwortung negiert?

Die Cum-Ex-Papers – Eine Recherche zum entfesselten Finanzwesen erzeugen mit den genretypischen Elementen eines Wirtschaftsthrillers einen dramaturgischen Sog. Doch die Gewissheiten der bekannten Erzählmuster verschwimmen zusehends. Was ist echt? Wen trifft die Schuld? Wie konnte das überhaupt passieren? In einer interdisziplinären und multimedialen Performance weitet das Projekt die Wahrnehmung eines Problems, indem sie die Machenschaften nicht als abgeschlossenen Krimi, sondern als systemimmanente Strukturen entlarvt.

Der Text wurde von den Projektmachern verfasst. 

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Antragsteller
Helge Schmidt

Sparten
Sprechtheater • Choreographie • Szenisches Schreiben • Video

Fördervolumen
beantragte/bewilligte Förderung aus dem Elbkulturfonds: 61.000 Euro / 61.000 Euro