"Ovizire ∙ Somgu: Von woher sprechen wir? From Where do we speak?"


"Ovizire ∙ Somgu: Von woher sprechen wir? From Where do we speak?"

“Ovizire ∙ Somgu: Von woher sprechen wir? From where do we speak?“ ist ein innovatives und transnationales Ausstellungsprojekt bestehend aus Performances, Videoinstallationen, Fotocollagen und einer kuratierten Auswahl historischer Fotografien. 

Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein Forschungs- und Kunstprojekt der Universität Hamburg, das, finanziert durch die Gerda-Henkel-Stiftung, unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Zimmerer drei Künstler_innen aus Namibia und eine Historikerin aus Deutschland im Rahmen einer einjährigen Residenz in Hamburg zusammenbringt, um ein Gespräch über die Komplexität der gemeinsamen Verflechtungsgeschichten und die Aufarbeitung des geteilten (post)kolonialen Erbes anzustoßen. 

Zentraler Gegenstand der Untersuchung und der künstlerischen Arbeit ist einen Fotobestand im Museum am Rothenbaum (MARKK), der  während der deutschen Kolonialzeit im heutigen Namibia von deutschen Wissenschaftlern, Kaufmännern und Angehörigen der sogenannten “Schutztruppen” zusammengetragen wurde. Die aus etwa 1000 Bildern bestehende Sammlung beinhaltet Landschaftsfotografien, Abbildungen kolonialer Städte und Infrastruktur, Portraits und ethnographische Aufnahmen von Herero und Nama Familien und Einzelpersonen, sowie private Schnappschüsse der Kolonialakteure bei diversen Freizeitaktivitäten. Letztere stehen im drastischen Kontrast zu Aufnahmen der kolonialen Zwangsarbeit, des Genozids, und des deutsch-namibischen Krieges von 1904-1908, die ebenfalls Teil des Archivbestandes sind.

Die einjährige Kollaboration ist geprägt von intensiven Diskussionen, in denen sich die Projektteilnehmer_innen mit Fragestellungen beschäftigen, die im heutigen Umgang mit diesen historisch belasteten Fotoarchiven unumgänglich sind: Wer hat das Recht koloniale Fotobestände zu besitzen und zu re-präsentieren? Wer kann die Geschichten, die Ungerechtigkeiten und die Gewalt, die diese Fotografien sowohl dokumentieren als auch (re)produzieren erzählen und darstellen? Welche Bedeutungen nehmen diese Fotografien für diverse Betrachter_innen heute an? Kann das Fotoarchiv uminterpretiert werden, um koloniale Blickregime infrage zu stellen und zu verweigern? Finden sich in Kolonialfotografien auch Hinweise auf antikolonialen Widerstand und individuelle Handlungsmacht und vielleicht sogar Augenblicke des Nachdenkens und der Liebe? Bietet die gemeinsame Beschäftigung mit diesen umstritten (Bild)Geschichten einen Anknüpfungspunkt um den kolonialen Dualismus des “Selbst” und des “Anderen” zu durchbrechen? Und vermögen diese Gespräche letztendlich zu einer tiefergehenden Dekolonialisierung der Institution des ethnologischen Museums beizutragen?

Die Ausstellung im Museum am Rothenbaum und dem unabhängigen Kunstsalon M.Bassy beschäftigt sich kritisch mit Fragen der Repräsentation, des kolonialen Blicks und der Konstruktion weißer Männlichkeit und erwägt zugleich Themen wie Genozid und Trauma, Identität und postkoloniale Erinnerungspolitiken.

Der Text wurde von dem Projektantragsteller zur Verfügung gestellt.

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Antragsteller

Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, Universität Hamburg

Sparten

Bildende Kunst

Ort

Museum am Rothenbaum (MARKK) und M.Bassy (Schlüterstraße 80)

Fördervolumen

beantragte/bewilligte Förderung aus dem Elbkulturfonds:  28.900 Euro / 28.900 Euro

Weitere Informationen:

https://www.kolonialismus.uni-hamburg.de/2018/01/19/genozid-an-den-herero-und-nama-deutsch-namibisches-fotoprojekt-will-beitrag-zur-versoehnung-leisten/

https://www.kolonialismus.uni-hamburg.de/2018/01/24/meet-our-team-vitjitua-ndjiharine-namibian-artist-in-residence/

https://www.kolonialismus.uni-hamburg.de/2018/04/19/meet-our-team-mushaandja-namibian-artist-in-residence/

https://www.kolonialismus.uni-hamburg.de/2018/04/03/meet-our-team-nicola-brandt-namibian-artist-in-residence/

https://www.kolonialismus.uni-hamburg.de/2018/04/04/meet-our-team-ulrike-peters