Democratic Boot Camp


Democratic Boot Camp

In den letzten Jahren wurde viel über Arbeits- und Machtstrukturen im Theaterbetrieb gesprochen. Die Theater-Arbeit in Kollektiven hat sich weiter etabliert. Einige Gruppen von professionellen behinderten Schauspieler*innen haben neue, gleichberechtigte Arbeitsweisen erprobt. Wie wir finden, weist die Arbeit in einem Performance-Kollektiv zahlreiche Parallelen zum Zusammenleben in einer Demokratie auf. Die beteiligten Gruppenmitglieder sind so zu Expert*innen hierfür geworden. 

Im „democratic boot camp“ möchten wir dies nutzen, um ihre Ansätze auf aktuelle Fragen des Zusammenlebens in einer sich immer weiter ausdifferenzierenden Gesellschaft anzuwenden und sie im Rahmen einer „performativen Spielshow“ mit der vereinten Kraft kollektiver Lösungsstrategien durchzuspielen. Gerade in „inklusiven Gruppen“ existiert neben anderen Aspekten von Verschiedenheit eine beeindruckende Vielfalt ästhetischer Interessen: Einige wollen endlich eine „richtige“ Version von Romeo und Julia machen. Andere möchten sich mit der performativen Anwendung der Relativitätstheorie auf das individuelle Zeitgefühl beschäftigen.

Manche fühlen sich im Programm von Kampnagel sehr wohl, während andere davon träumen, bei den Karl-May-Festspielen aufzutreten. Im Vergleich dazu sind viele freie Performance-Kollektive eher homogen zusammengesetzt. Dafür arbeiten sie oft bereits lange im Kollektiv und sind somit Fachleute für die Langstrecke und das Durchhaltevermögen. 

Diese Perspektiven bringen wir in einer ersten Austauschphase zusammen, in der sich je zwei Gruppen interviewen. Sie sammeln „Tipps & Tricks“, „Dos & Don’ts“ und legen Listen zu offenen Fragen und (bisher ?) ungelösten Dilemmata an. Auf dieser Materialsammlung basiert die Erarbeitung einer performativen Spielshow, die im Herbst 2021 auf Kampnagel einen Einblick in die Höhen und Tiefen kollektiven Arbeitens eröffnet - allerdings angewendet auf alltägliche Themen und Situationen. Einzelne Teams, die sich aus Mitgliedern von je einer „inklusiven“ und einer „freien“ Gruppe (potentiell zugesagt haben She She Pop und SKART) zusammensetzen, wählen einen Aspekt aus und gestalten dazu ein Element. 

Die Gesamtdramaturgie der Show ist als Rahmen für sehr unterschiedliche Beiträge angelegt: ob Reenactment kollektivinterner Auseinandersetzungen als Wettkampf oder szenisches Regelsystem, in dem die Performer*innen Tipps für die nervigsten Gruppendiskussionen teilen. Und vielleicht wird auch das Publikum zur guten alten „Saalwette“ herausgefordert?


Antragstellerin

Jutta Schubert / EUCREA Verband Kunst und Behinderung

Sparte

Performing Arts / Theater und Tanz

Fördervolumen

beantragte / bewilligte Förderung aus dem Elbkulturfonds:  90.000 Euro / 90.000 Euro

Weitere Informationen

www.eucrea.de